Die Jesus-Freaks werden 1992 von ein paar Jugendlichen in Hamburg gegründet. Sie glauben an Jesus, stehen aber
nicht auf verstaubte Rituale. Sie wollen mit Gott so sprechen, wie sie auch untereinander reden. Sie sagen:
"Gott ist geil", feiern das Abendmahl mit Chips und Bier und taufen Leute in der Alster. Ihr Leben hat sich
verändert. Früher war es bestimmt von der Realität in ihrer Szene, Drogen und Sex. Jetzt wollen sie Gott,
den sie neu kennengelernt haben, mitnehmen in ihre Kultur. Sie wollen ihre Musik machen und auf Jesus abgehen,
because JESUS CHRIST HAS A POSSE - die Jesus-Freaks.
Seit dem Beginn der Jesus-Freaks-Bewegung in Hamburg hat sich einiges getan. Schnell haben sich im Laufe der 90er Jahre
Jesus-Freak-Gruppen über ganz Deutschland ausgebreitet. Weil den Jesus-Freaks Musik besonders wichtig ist, entstanden
sofort eine Reihe von Bands, die in erster Linie härtere Rockmusik und Punk spielten. Daraus entwickelte sich die Idee,
ein Festival zu organisieren, auf dem alle Jesus-Freaks, alle Jesus-Freak-Bands und einige internationale Gäste zusammenkommen
sollten. Dieses Festival, das "Freakstock-Festival", findet auch heute noch jedes Jahr statt. Bei dieser Veranstaltung zeigt
sich auch, was sich sonst noch so geändert hat bei den Jesus-Freaks. Die Gründergeneration ist älter geworden und es ist
eine neue junge Generation nachgewachsen. Mit diesen Jungen kommen auch eine Reihe neuer Einflüsse auf das Freakstock.
Skater treffen sich an der Halfpipe, Hip-Hopper an der Hip-Hop Bühne 'Rocket-Club', außerdem gibt es ein Zelt,
in dem Drum 'n Bass aufgelegt wird. Die Jesus-Freaks sind offen für Leute aus den unterschiedlichsten Szenen.
Deshalb sind sie sehr verschieden, ihre Gemeinsamkeit liegt in ihrem Glauben .
Ein kleiner Moment des Freakstock 04
....wie im Festival-Heft angekündigt finden sich jetzt um die Mittagszeit Leute zu einer Freestyle-Session vor der alten
Holztribüne der Gothaer Pferderennbahn ein. Es sind ungefähr 10 oder 12 Kombattanten und einer im weißen Unterhemd der
die Sache im Griff zu haben scheint. Um sie herum steht ein Kreis Neugieriger, die sich, trotz der 40 Grad Mittagshitze,
dieses für die Jesus-Freaks neue und scheinbar untypische Ereignis nicht entgehen lassen wollen, darunter ich.
Nacheinander treten die Rapper an; jeder bekommt eine Minute Zeit zum freestylen. Die Texte, die sie fast ausschließlich
auf Deutsch rappen, gehen aufeinander ein, drehen sich dabei meist um Gott und Jesus. Ein Teilnehmer, der einzige Schwarze,
baut soul- und gospelhafte Elemente in seinen Sprechgesang ein. Einige der MCs bleiben mit ihren Texten nicht in dem
gemeinschaftlichen Rahmen und fangen, scheinbar aus Verlegenheit, möglicherweise aus Gewohnheit, an die anderen Teilnehmer
in ihren Texten zu dissen. Auf diese Beleidigungen wird jedoch allgemein nicht reagiert. Die Szenerie wirkt seltsam,
ein Kreis Hip-Hopper in weiten Klamotten auf einer Sommerwiese am Rande einer Pferderennbahn. Der Wind trägt den Klang der
Musik von den anderen Bühnen zu dem kleinen Kreis herüber, wo er sich mit den kantigen und abgehackten Wortsalven vermischt,
die im Minutentakt von begeistertem Applaus unterbrochen werden....